{"id":2079,"date":"2026-07-21T22:32:28","date_gmt":"2026-07-21T20:32:28","guid":{"rendered":"https:\/\/genblog.dl5sel.de\/?page_id=2079"},"modified":"2026-07-21T22:32:28","modified_gmt":"2026-07-21T20:32:28","slug":"emma-schwertner-27-07-1908-08-05-2004","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/genblog.dl5sel.de\/?page_id=2079","title":{"rendered":"Emma Schwertner (27.07.1908 &#8211; 08.05.2004)"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es war langwierig, den Lebensweg der Gro\u00dfmutter meiner Ehefrau zu rekonstruieren. Es galt ein fast undurchdringliches Dickicht von widrigen Umst\u00e4nden und famili\u00e4ren Tabuisierungen zu durchdringen. Letztendlich hat sich die Geduld, die man als ernsthafter &#8222;Familienforscher&#8220; haben muss, gelohnt &#8230;<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text is-stacked-on-mobile\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/genblog.dl5sel.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/foto021-1-600x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2089 size-full\" srcset=\"https:\/\/genblog.dl5sel.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/foto021-1-600x1024.jpg 600w, https:\/\/genblog.dl5sel.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/foto021-1-176x300.jpg 176w, https:\/\/genblog.dl5sel.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/foto021-1-768x1311.jpg 768w, https:\/\/genblog.dl5sel.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/foto021-1-899x1536.jpg 899w, https:\/\/genblog.dl5sel.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/foto021-1-624x1066.jpg 624w, https:\/\/genblog.dl5sel.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/foto021-1.jpg 951w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Emma wurde am 27. Juli 1908 in R\u00fcckersdorf geboren. In B\u00f6hmen gelegen, geh\u00f6rte R\u00fcckersdorf bis 1918 zu \u00d6sterreich-Ungarn.Nach dem Ende des ersten Weltkrieges 1914 &#8211; 1918 geh\u00f6rte das Gebiet zur ersten Tschechoslowakischen Republik, die bis 1938 bestand. Mit dem Einmarsch Nazi-Deutschlands wurde das sogenannte &#8222;Sudetenland&#8220; Bestandteil des Deutschen Reiches.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schon daraus wird die komplizierte Situation f\u00fcr den Familienforscher deutlich. Sowohl in \u00d6sterreich-Ungarn als auch in der CSR gab es keine Standes\u00e4mter, die F\u00fchrung von Personenstandsregistern war Sache der Kirchen..<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Emma heiratete 23. Juni 1934 in Neustadt an der Tafelfichte ihren ersten Ehemann Erwin Baier. Das Paar wohnte anschlie\u00dfend in Heinersdorf an der Tafelfichte, wo auch ihre drei T\u00f6chter in den Jahren 1934, 1937 und 1939 geboren wurden. Erwin starb nur wenige Wochen nach der Geburt seiner dritten Tochter am 28.11.1939.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bis zum Tode des Ehemannes hat die Familie \u00fcber ein gewisses Einkommen verf\u00fcgt. Danach muss es sehr schwierig geworden sein: eine alleinerziehende Witwe mit drei kleinen Kindern. Auch wenn der am 01.09.1939 begonnene Krieg zun\u00e4chst weit weg schien, er hatte mit Sicherheit Auswirkungen auf das t\u00e4gliche Leben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die wahre Katastrophe brach nach Beendigung des zweiten Weltkrieges \u00fcber Mutter und T\u00f6chter herein. Auf Grundlage der Benes-Dekrete wurde alle Sudetendeutschen aus B\u00f6hmen und M\u00e4hren vertrieben. Mit einem der zahlreichen Transporte gelangte die Familie nach Rottleberode und ging von dort aus nach Pratau bei Wittenberg. Das genaue Datum des Transportes lie\u00df sich bisher nicht feststellen. Auch der Weg von Rottleberode nach Pratau bleibt unklar. Die j\u00fcngste Tochter wurde 1946 in Pratau eingeschult.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus den Schulzeugnissen der j\u00fcngsten Tochter sind bis 1948 weitere Ortswechsel erkennbar: \u00fcber Kulm ging es nach Schleife. In der Halbendorfer Stra\u00dfe fand sich 1949 eine Wohngelegenheit, die l\u00e4ngere Zeit beibehalten wurde. &#8211; In der sowjetischen Besatzungszone und der sp\u00e4teren DDR gab es diverse Probleme mit den &#8222;Vertriebenen&#8220;, die offiziell nicht so genannt werden durften und &#8222;Umsiedler&#8220; genannt wurden. Es waren einfach zu viele Menschen, die untergebracht, versorgt und in Arbeit gebracht werden sollten. Es fehlte an allem: Schulb\u00fccher, Lehrmaterialien, Lebensmittel, ausreichend Wohnraum und nicht zuletzt an Arbeitsm\u00f6glichkeiten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcber die folgenden Jahre gibt es nicht viele &#8222;\u00dcberlieferungen&#8220;. Im Juni 1956 heiratete sie ein zweites Mal. Zu diesem Zeitpunkt schien die Zukunft ihrer T\u00f6chter einigerma\u00dfen gesichert: die \u00e4lteste Tochter war bereits verheiratet, die Hochzeit der zweiten Tochter war geplant. Die J\u00fcngste befand sich in der Lehrausbildung in Wei\u00dfwasser und hatte Unterkunft in einem Lehrlingswohnheim gefunden. &#8211; Die Ehe hielt nur kurze Zeit und wurde bereits im M\u00e4rz 1957 nach nur 5 Monaten Dauer geschieden. Ob ich den Grund f\u00fcr die Scheidung wissen m\u00f6chte, ist mir noch unklar. Ungew\u00f6hnlich ist es allemal &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im April 1959 heiratete Emma zum dritten Male, nur wenige Tage vor der Hochzeit der j\u00fcngsten Tochter. Wenn ich den m\u00fcndlichen Erz\u00e4hlungen glaube, dann lief auch in dieser Ehe nicht alles glatt. Der dritte Ehemann war ein &#8222;Patriarch&#8220; vom &#8222;alten Schlage&#8220;: Die &#8222;gute Stube&#8220; war tabu, es wurde getan, was der Mann sagte. &#8211; Nat\u00fcrlich kam Emma damit nicht zurecht. 1968 lebte das Paar bereits getrennt, es kam aber zu keiner Scheidung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Fortan lebte Emma in einem Wohnheim des Fernsehkolbenwerkes Friedrichshain\/Tschernitz. Dort bewohnte sie ein Einzelzimmer mit Zentralheizung. Es gab gemeinschaftliche sanit\u00e4re Anlagen und eine Gemeinschaftsk\u00fcche. Ich kann mich noch gut an das Wohnheim erinnern, wir haben sie dort mehrmals besucht &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1990 wurde das Fernsehkolbenwerk im Zuge der Deutschen Einheit &#8222;abgewickelt&#8220;, das Wohnheim abgerissen. Emma zog zu ihrer zweiten Tochter nach Wei\u00dfwasser. Als sie pflegebed\u00fcrftig und bettl\u00e4gerig wurde, \u00fcbernahm die \u00e4lteste Enkelin die Pflege. Hochbetagt schlief Emma am 08.05.2004 friedlich in den Armen ihrer \u00e4ltesten Enkelin ein. Es war ein von Arbeit erf\u00fclltes und entbehrungsreiches Leben, in dem sie nie ihren Lebensmut und ihre Lebensfreude verlor.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war langwierig, den Lebensweg der Gro\u00dfmutter meiner Ehefrau zu rekonstruieren. Es galt ein fast undurchdringliches Dickicht von widrigen Umst\u00e4nden und famili\u00e4ren Tabuisierungen zu durchdringen. Letztendlich hat sich die Geduld, die man als ernsthafter &#8222;Familienforscher&#8220; haben muss, gelohnt &#8230; Emma wurde am 27. Juli 1908 in R\u00fcckersdorf geboren. 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