Familienforschung und Schulzeugnisse

Durch die Geschichte meiner Familie geisterte bislang ein Phantom: Hermann Bleimeier, zweiter Ehemann meiner Urgroßmutter Marie Rumland (1878 – 1917) und damit Stiefvater meines Großvaters Max Siegert (1900 – 1960). Da mein Großvater kein gutes Verhältnis zu seinem Stiefvater hatte, gab es auch keine Aufzeichnungen zu den Geburts-, Hochzeits- und Sterbedaten Hermann Bleimeiers.

Es musste doch einen Weg geben, dieses „Rätsel“ zu lösen. Zu meinen Familienunterlagen gehören auch die Schulzeugnisse meines Großvaters. Die Noten waren zwar interessant, sind aber hier nur Nebensache. Viel interessanter waren die Unterschriften „des zur Erziehung Verpflichteten“. Das erste Zeugnis, ein Zeugnis für das Sommerhalbjahr 1908, ausgestellt im September 1908 durch die 140. Gemeindeschule, unterschrieb meine Urgroßmutter als „Frau Siegert“. Mein Urgroßvater Carl Siegert (1872 – 1906) war zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben. Auf dem Zeugnis für das Winterhalbjahr 1908/09 fehlt die Unterschrift. Auf dem Zeugnis für das Sommerhalbjahr  1909, ausgestellt durch die Gemeindeschule IV in Wilmersdorf-Berlin, lautete die Unterschrift „Frau Marie Bleimeier“. Das war der erste wichtige Hinweis, dass die Heirat meiner Urgroßmutter mit Hermann Bleimeier um 1909 stattgefunden hatte. Aber wo?

Die Suche nach der „Gemeindeschule IV“ in Wilmersdorf-Berlin im Internet brachte einen Hinweis auf die frühere „Gemeindeschule IV in Deutsch-Wilmersdorf, Koblenzer Straße“, die heutige „Birger-Forell-Grundschule„. Das war für mich ein zweiter wichtiger Hinweis, auch wenn auf den Schulzeugnissen eine Schuladresse fehlte.

Nach dem altbekannten Spruch „Es wird dort getraut wo wohnt die Braut“ – reim dich oder ich fress dich – durchsuchte ich die Heiratsverzeichnisse des Standesamtes Deutsch-Wilmersdorf. Diese sind online einsehbar auf der Webseite des Landesarchives Berlin. Für das Jahr 1909 fand ich einen Heiratseintrag „Bleimeier, August Hermann – Siegert geb. Rumland, Marie“. Volltreffer. Das Ausfüllen des Formulars zur Bereitstellung einer Kopie der Heiratsurkunde war innerhalb weniger Minuten erledigt, jetzt warte ich auf Post vom Landesarchiv Berlin.

Auch wenn noch nicht alle Fragen bezüglich Hermann Bleimeier gelöst sind, bin ich doch einen wichtigen Schritt weiter. Ohne die Schulzeugnisse meines Großvaters würde ich aber wohl noch immer suchen.

Spurensuche in Stolpmünde

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Beim „Wühlen“ in der familiären Fotokiste fiel mir das linke Foto in die Hände: eine Aufnahme vom Beginn der dreißiger Jahre, die meinen Urgroßvater Ernst Münchow (1853 – 1934) vor der Stolpmünder Kirche zeigt. Das rechte Foto entstand während meines Osterurlaubs 2016 an fast gleicher Stelle. Beide Aufnahmen wurden im Abstand von mehr als 80 Jahren gemacht und es ist faszinierend zu sehen, wie sich der Platz vor der Kirche im Laufe der Jahre verändert hat.

Inzwischen weiß ich aus dem Begleitheft zum Pharus-Plan „Ostseebad Stolpmünde“, dass das „Kriegerdenkmal“ 1922 im Wilhelmspark enthüllt wurde. Ob es dort noch steht, ist mir nicht bekannt. Das Steinkreuz, das heute vor der Kirche steht, ist wahrscheinlich erst nach dem zweiten Weltkrieg dorthin gekommen.

Das genannte Begleitheft zeigt auch ein Foto der damaligen Schule. Das Gebäude existiert äußerlich fast unverändert noch heute und wird als Rathaus genutzt.

Sollte ich irgendwann wieder in Stolpmünde einen Urlaub verbringen, werde ich, ausgerüstet mit dem Pharus-Plan, einen Tag der „Familienforschung“ widmen. Nur an einen Ratschlag werde ich mich voraussichtlich nicht halten: „Vor dem Baden in der See ist ärztliche Beratung dringend zu empfehlen.“ Auch der folgende Hinweis hat sich wohl erledigt: „Für keuchhustenkranke Kinder ist Stolpmünde kein geeigneter Aufenthalt, ebensowenig für chronische Erkrankungen der Atmungsorgane und für schwere Fälle von Bleichsucht.“ (Bleichsucht: laut Wikipedia „durch Eisenmangel bedingte Anämie bei Mädchen und jungen Frauen“)

Familie Gottlieb Schäfer und Karoline (geb. Behrend)

Gottlieb Schäfer (1825 – ????) und seine Ehefrau Karoline, geb. Behrend, (1828 – ????) sind meine UrUrUrGroßeltern mütterlicherseits.

Aus dem Kirchenbucheintrag über die Hochzeit des Paares am 21. April 1851 in Bliesendorf kenne ich die Geburtsdaten sowie die Namen der Eltern. Als Geburtsort Gottliebs habe ich „Hetzen“ oder „Ketzin“ entziffert. Als Beruf Gotlliebs ist „herrschaftlicher Schäferknecht zu Plessow“ angegeben. Den Geburtsort konnte ich bisher nicht genau bestimmen, wobei nach meinem Dafürhalten „Ketzin“ am wahrscheinlichsten ist.

Der Kirchenbucheintrag zur Taufe der vermutlich ältesten Tochter Caroline (1851 – 1901) weist als Wohnort des Paares Cammerode aus.

Im Aufgebot zur Hochzeit von Tochter Caroline mit Friedrich Rumland (1848 – 1919), Schäfer aus Bötzow, steht bei den Angaben zum Vater der Braut „Büdner auf der neuen Scheune“. Caroline heiratete 1874, da war ihr Vater Gottlieb 49 Jahre alt.

Bei MyHeritage fand ich einen SmartMatch zu Gottlieb Schäfer, der einen Hinweis auf eine zweite Tochter, Auguste Schäfer, verh. Beuster, geb. am 14. November 1868 in Petzow, gestorben am 19. Februar 1948 in Potsdam, beinhaltete. Auguste wäre damit 17 Jahre jünger als ihre Schwester Caroline. Dazwischen gab es bestimmt weitere Kinder. Ich werde versuchen, die Sterbeurkunde von Auguste im Stadtarchiv Potsdam zu beschaffen.

Bei der Suche nach weiteren Kindern des Paares sowie den Sterbedaten von Gottlieb und seiner Ehefrau Karoline wird mir nichts anderes übrigbleiben als die Kirchenbücher des Landkreises Zauch-Belzig systematisch zu durchsuchen. Dass Plessow heute zur Stadt Werder (Havel) gehört macht die Sache nicht viel leichter. Vielleicht hilft Gottliebs Beruf als „herrschaftlicher Schäferknecht“ weiter: Cammerode gehörte 1851 wahrscheinlich zu den Besitzungen der Familie von Rochow auf Golzow.

Fam. Braniewicz aus Opalenica

In meiner Liste der Landbesitzer in Opalenica (1793/94) ist der Name Franz Braniewic zu finden. Der Abgleich mit meiner WebTrees-Datenbank sowie mit diversen Angaben bei MyHeritage ergab, dass ein Franciszek Braniewicz der Großvater von Joseph Karge (1823 – 1892) war. Wenn man die diversen Übertragungsfehler berücksichtigt, könnte es sich tatsächlich um ein und dieselbe Person handeln. Leider sind in den diversen Datenbanken keine weiteren Hinweise auf die Lebensdaten von Franz (Franciszek) Braniewicz zu finden.

Über das Leben des Joseph Karge könnte man einen ganzen Roman schreiben. Aber das gehört nicht hierher.

Es war nur eine Frage der Zeit …

bis ich auf eine, wenn auch sehr lose, Verbindung zwischen den Familien Joannis Fogiel und Andreas Vogel stieß. Ein erster Hinweis ergab sich aus meinen bei MyHeritage gespeicherten Daten: Meine Urgroßtante, Pelagia Chojnacka, geb. Vogel, (1840 – 1908), war in beiden Stammbäumen gespeichert. Im Stammbaum des Joannes Fogiel war zusätzlich die Ehe mit Vincent Chojnacki (1843 – ????) vermerkt.

Das Herstellen der Verbindung zwischen Vincent Chojnacki und meiner Urgroßtante Pelagia Vogel in meiner eigenen Internet-Datenbank erforderte nur einen „Handgriff“. Die Auswirkungen auf die Daten bei MyHeritage waren deutlich umfangreicher, denn beide Stammbäume mussten manuell zusammengeführt werden.

Worin besteht nun eigentlich die Verbindung? Vincents Mutter, Justina Chojnacka, geb. Obst (1804 – 1846), hatte Veronica Hum (1823 – 1897) als Schwägerin. Veronicas Schwester, Francisca Hum (1820 – ????) wiederum war mit einem Enkel des Joannis Fogiel, Franciscus Vogel (1810 – ????) verheiratet. Zugegeben, es ist eine Verbindung um mehrere Ecken … :;

Als Folge der Zusammenführung der Stammbäume bei MyHeritage ergab sich, dass 75 andere Stammbäume mit insgesamt 612 Übereinstimmungen (SmartMatches) ermittelt werden konnten. Sehr interessant daran ist, dass sich immer Rückschlüsse auf das „Netzwerk“ der Troszczyner Siedler ergeben, die bisher bei keinem meiner „Forscherkollegen“ im Blickpunkt standen. Ich freue mich auf weitere spannende Entdeckungen über diese wirklich große und internationale Familie.

Neue Theorie zur Herkunft meiner Familie?

Im Internet findet man immer wieder mal einen Ausgangspunkt für die Fortsetzung der eigenen Forschungen. So auch in diesem Fall: Der Familienforscher Gernot Karge aus Saarlouis beschäftigt sich mit der Familie Karge aus Troszczyn. Seine bisherigen Ergebnisse sind in vieler Hinsicht mit meinen Erkenntnissen fast deckungsgleich.

Gernot Karge sieht die Stadt Birnbaum (polnisch: Międzychód) als eigentlichen Herkunftsort seiner Familie an. Er untermauert dies auch in seiner Veröffentlichung „Einwohner des evangelischen Pfarrbezirks Birnbaum an der Warthe 1649 – 1875“, erschienen in: Ostdeutsche Familienkunde, 8, 1978 (4), S. 273ff. Dieser Aufsatz liegt mir in Kopie vor.

Kirchenbücher und Standesamtsunterlagen aus Birnbaum sind im Internet unter dem folgenden Link zu finden: http://szukajwarchiwach.pl/53/3815/0#tabJednostki. Der Webbrowser wurde bemüht und mir wurde eine Reihe von interessanten Dokumenten angezeigt. Zuallererst interessierte mich das Verzeichnis der Geburten, Hochzeiten und Sterbefälle im Zeitraum 1708 – 1747. Gleich im ersten Scan http://szukajwarchiwach.pl/53/3815/0/-/5/skan/full/7s85QBJf_PlVRoC0YyPhSQ ergab sich ein interessanter Hinweis:
Am 26.05.1708 heirateten George Karge und Eva Obst(in).

Aus der Veröffentlichung von Gernot Karge ist mir außerdem bekannt, dass es im fraglichen Zeitraum in Birnbaum auch einen Georg Vogel gegeben hat.

Ein Zusammentreffen der Familiennamen Vogel, Obst, Karge in Birnbaum ist aus meiner Sicht eigentlich kein Zufall. Beweisen kann ich es bisher nicht, aber die Spur nach Birnbaum erscheint mir plausibler als die nach Bamberg …

Joannes und Julianna Stachowski

Im Internet findet sich unter dem Link
http://szukajwarchiwach.pl/53/1883/0/4/66/skan/full/qnl8EIiYVjHZYan6MeL4RA die Sterbeurkunde von Catharina Stachurska, geb. Stachowska, einer Tochter von Joannes Stachowski und seiner Ehefrau Julianna.

Die Schreibweise „Stachowski“ steht nicht im Widerspruch zum klanglich ähnlichen „Stachoski“. Es ist außerdem nicht ungewöhnlich, dass Pfarrer und Standesbeamte in ihren Urkunden das aufschrieben, was sie meinten, verstanden zu haben. Dafür gibt es auch in diesem Blog und in meiner Datenbank einige Beispiele. So lassen sich die mitunter auftretenden Abweichungen bei den Familiennamen mit einiger Überlegung doch auf eine plausible Schreibweise zurückführen.

Die Indizien zur Herkunft der Julianna Stachowska (1824 – 1894) aus dem vorhergehenden Beitrag haben mich außerdem veranlasst, sie als Tochter des Ehepaares Franciscus Vogel / Fogiel (1771 – 1839) und Marianna Linka (1784 – ????) in meine Datenbank aufzunehmen.

Julianna Vogel (ca. 1824 – 1894)

Am 27.01.1894 zeigte der Eigentümer Roman Vogel aus Troszczyn den Tod der am gleichen Tage verstorbenen Eigentümerwitwe Julianna Stachonska geb. Vogel an.
http://szukajwarchiwach.pl/53/1918/0/4/63/skan/full/b3gEScGGb_KFG1a7oXA2SQ

Laut Sterbeurkunde war Julianna eine Tochter des Paares Franz Vogel und Marianna geb. Maniecka. Dieses Ehepaar habe ich nicht in meiner Datenbank. Auf der Website www.myheritage.de fand ich jedoch unter meinen SmartMatches zum Stammbaum des Joannis Fogiel einen Hinweis darauf, dass Marianna Vogel geb. Linka, Ehefrau von Franciscus Vogel (1771 – 1839), auch den Geburtsnamen Maniecka getragen haben könnte.

Die Recherche in der Datenbank des Poznan-Projectes ergab keinen Hinweis auf eine Eheschließung zwischen Franz Vogel und Marianna. Auch eine Eheschließung von Julianna Vogel mit einem Herrn Stachonski ist dort nicht verzeichnet.

Die Recherche im Projekt BaSIA ergab folgenden Link:
http://szukajwarchiwach.pl/53/3560/0/6/30/skan/full/Pbz5-cHU5JC5H0rQrJHRig
Unter der Nummer 42 wird im Kirchenbuch von Wyskoć mit Datum 08.04.1850 die Taufe von Adalbert Stachoski, Sohn von Joannes Stachoski und Julianna Vogel, verzeichnet. Taufpaten waren Adalbert Stamm und Justina Obst.

Unter der Voraussetzung, dass Julianna eine Tochter des Paares Franciscus und Marianna Fogiel aus Troszczyn war, hätte sie auch eine Schwester Justina gehabt. Justina war mit Andreas Obst verheiratet. Für mich ist es nicht ungewöhnlich, dass eine Tante des Täuflings auch die Rolle einer Taufpatin übernahm.

Es gibt noch ein weiteres Indiz, dass Julianna tatsächlich eine Tochter von Franciscus und Marianna Vogel aus Troszczyn gewesen ist. Der zweite Taufpate, Adalbert Stamm, war mit Carolina Vogel (1819 – 1850), einer weiteren möglichen Schwester von Julianna, verheiratet!

Ob sich das Rätsel um Julianna Vogel endgültig lösen lässt? Ich werde nichts unversucht lassen …

Familie „Obst“ im Internet

Durch einen Kommentar von Katarzyna Otto wurde ich auf die Website http://www.rodzina-obst.pl aufmerksam. Ein Besuch war natürlich fällig. Katarzynas Spitzenahn ist:
WOJCIECH OBST, geboren um 1718, gestorben 1808. Wojciech war verheiratet mit BARBARA EICH, geboren um 1722, gestorben 1808

Die deutsche Entsprechung für Wojciech ist: Adalbert. In meiner Datenbank ist ein Adalbert Obst (1718 – 1808) zu finden. Offensichtlich handelt es sich um die gleiche Person …

Katarzyna führt unter den Kindern des Adalbert (Wojciech) Obst auf:
Jozef Obst, geboren 1756, gestorben 1826. Jozef heiratete am 03.07.1799 in Troszczyn Katarzyna Foglowa. Bei dem Josef Obst aus meiner Datenbank handelt es sich wahrscheinlich um den von Katarzyna Otto genannten Sohn des Adalbert Obst. Eine Verbindung zwischen Adalbert Obst und Josef Obst hatte ich vermutet, aber bisher keinen Beweis dafür gefunden. Hat Katarzyna Otto diesen Beweis?

Mit der Familie Obst befasst sich auch die Website http://www.genealogia.okiem.pl/obst.htm. Der Schwerpunkt der Seite liegt bei den Nachkommen des Lorenz Obst (1810 – 1884). Nach den Aufzeichnungen in meiner Datenbank ist Lorenz Obst der Sohn des Josef Obst und vermutlich ein Enkel von Adalbert Obst. Es wäre interessant zu erfahren, ob die beiden Autoren sich kennen und die Daten untereinander abgeglichen haben.

Nur auf meinen direkten Vorfahren Georgij Obst enthält keine der beiden Seiten einen Hinweis. Adalbert und Georgij könnten Brüder gewesen sein. Georgij nannte einen seiner Söhne Adalbert …

Gubener „Zufallsfunde“

Bei der Suche nach meinen Gubener Vorfahren fand ich in den Kirchenbüchern und Standesamtsunterlagen immer wieder Einträge, bei denen mir zwar der Familienname bekannt vorkam, ich aber keine eindeutige Zuordnung zu meiner Familie vornehmen konnte. Diese Funde habe ich (leider) bisher immer vernachlässigt.

Da sich inzwischen herausgestellt hat, dass die Zahl meiner in Guben ansässigen Vorfahren und deren Familienangehöriger recht groß war, werde ich zukünftig die „Zufallsfunde“ in einer gesonderten Datenbank erfassen, die unter dem Link http://guben.dl5sel.de im Internet zur Verfügung steht.

Die Speicherung der „Zufallsfunde“ in einer Datenbank ist natürlich noch keine zielgerichtete und systematische Datenerfassung aller im Internet zur Verfügung stehenden Unterlagen. Ich würde mich aber freuen, wenn durch meine Bemühungen andere Familienforscher Lücken in ihren Unterlagen schließen konnten.