
In jeder Familie gibt es nach meinen Erfahrungen Menschen, über die man nicht so gerne spricht. Selbst ihre Erwähnung ist oftmals unerwünscht, Erinnerungen werden verdrängt oder als unnütz abgetan.
Nachdem ich die grundlegenden Fragen um „den Bleimeier“ – gemeint ist Hermann Bleimeier (1864 – 1932), Stiefvater meines Großvaters – klären konnte, hatte ich jetzt genug Zeit, um mich mit dem zweiten Ehemann der Großmutter meiner Ehefrau – Emma Baier/Korla/Sommer, geb. Schwertner (1908 – 2004) – zu beschäftigen. Dies war jener besagte Ewald Korla. Über Hermann Bleimeier und Ewald Korla wurde in den jeweiligen Familien einfach nicht gesprochen. Die Gründe mögen unterschiedlich gewesen sein, gemeinsam war die damit verbundene Verdrängung und Tabuisierung
Die Hochzeit des Ewald Korla mit Emma Baier, geb. Schwertner, fand am 04. Juni 1956 in Weißwasser statt. Die Hochzeitsurkunde konnte ich nach einer Recherche des Standesamtes Weißwaser in der zur dritten Hochzeit von Frau Emma geb. Schwertner mit Gustav Sommer (1887 – 1974) angelegten Sammelakte beschaffen.
Mittels der Angaben in der Hochzeitsurkunde konnte ich die Geburtsurkunde von Ewald Korla ausfindig machen. Diese liegt mir vor und enthält drei Randnotizen:
1. Ein Hinweis auf das Sterbedatum und das beurkundende Standesamt – Bad Muskau
2. Ein Hinweis auf die zweite Eheschließung 1956 in Weißwasser
3. Ein Hinweis auf die dritte (!) Eheschließung 1961, ebenfalls in Weißwasser
Die zweite Eheschließung ist jene mit Emma Baier, geb Schwertner. Interessant an der Hochzeitsurkunde ist eine Randnotiz. Demnach wurde die Ehe bereits am 09. März 1957 wieder geschieden. Vielleicht gelingt es mir, das Scheidungsurteil zu beschaffen.
Fälle einer derart kurzen Ehedauer gab es in den fünfziger Jahren in der DDR durchaus öfter. Es gab für eine Scheidung keine einzuhaltenden Fristen wie Mindestdauer oder Trennungsjahr. Es reichte aus, wenn beide Partner vor Gericht erklärten, das sie die Ehe nicht mehr fortsetzen wollten. Die familiäre „Gerüchteküche“ vermutet unterschiedliche Gründe für die schnelle Trennung. Ich weiß noch nicht, ob ich die Gründe für die Trennung unbedingt wissen will …
Auch zu Ewalds zweiter Eheschließung existiert eine Sammelakte. Es gibt darin einen Hinweis auf die erste Eheschließung am 19.09.1931, beurkundet durch das Standesamt Noßdorf. Leider ging die Hochzeitsurkunde am Ende des zweiten Weltkrieges verloren. Es gibt weiterhin den Hinweis dass die erste Ehefrau am 20.08.1955 verstarb. Im Kreisarchiv Forst/Lausitz konnte ich die Sterbeurkunde beschaffen: die erste Ehefrau Ewalds war Hedwig Minna, geb, Querner, geboren am 6. Januar 1890 in Kunzendorf, Kreis Sorau. Ich vermute, dass es in dieser Ehe keine Kinder gab.
Ewalds dritte Eheschließung mit Gerda Elisabeth Charlotte, geb. Marquardt, geboren in Belgern, Kreis Belgard fand am 21.April 1961 in Weißwasser statt. Ewald starb am 09. März 1969 verstarb, seine dritte Ehefrau überlebte ihn. Nachkommen aus dieser Ehe sind mir nicht bekannt.
Ich spekuliere mal ein wenig. Die erste und dritte Ehefrau Ewalds kamen aus Brandenburg – Kreis Sorau – oder aus Pommern – Kreis Belgard, beides Gebiete, die zu Preußen gehörten. Beide waren wahrscheinlich kinderlos und vorher nicht verheiratet.
In dieses Muster passte die zweite Ehefrau, Emma geb. Schwertner, überhaupt nicht. Sie kam aus dem Sudetenland, war verwitwet, hatte drei Töcher und galt als „Umsiedlerin“. Was immer der Grund für diese Eheschließung war, beide kamen möglicherweise mit den unterschiedlichen Voraussetzungen nicht klar und lösten daher diese Ehe nach kurzer Zeit auf.
